Indien 2012: Eva, Nömi, Alfi und Adrian

Samstag 21. Juli 2012: Von Kumily nach Varkala

Wir fahren um 8h30 mit einem Expressbus in Richtung Trivandrum, der Hauptstadt Keralas, um im Dorf Kottarakara nach Varkala umzusteigen, kurz: Wir fahren den ganzen Tag Bus. Zürst fürt die kurvige Passstrasse auf 1000 Höhenmetern durch Teeplantagen, später gehts auf Meereshohe hinunter. Der Fahrer fährt ziemlich temperamentvoll, zieht rasant in die Kurven und versucht alle sich in reichweite befindlichen Fahrzeuge zu überholen, was ihm auch fast immer gelingt.

Foto     Foto

Hier in Indien darf bei geeignetem Einsatz der Hupe jederzeit überholt werden, die langsameren Fahrzeuge nehmen dann stets Rücksicht und weichen aus oder halten bei Bedarf an, damit wir in vollem Tempo überholen können. Das ganze sieht gefährlicher aus als es ist... und funktioniert erstaunlich gut! So ist garantiert, dass wir so schnell wie nur möglich vorankommen. Trotzdem benötigen wir für die fast 300 km lange Strecke von Kumily an den Strandort Varkala fast sieben Stunden. Anders als in Tamil Nadu liegt hier in Kerala viel weniger Müll herum... und der Reichtum ist schon an den vielen schmucken haüsern, welche den Strassenrand säumen erkennbar. Die Farbwahl ist manchmal recht abendteürlich: Rosarot mit Blau kombiniert.... oder viele Rosa bis violette Farbtöne. So ähnlich sind auch die Innenräume oft eingerichtet.

Foto     Foto

Anschliessend bringt uns ein Taxi an die Küste, wo wir uns ein Bambusbungalow für 6 Franken pro Nacht mieten. Von den Bambushütten aus haben wir einen wunderbaren Ausblick aufs Meer. Der palmenbewachsene Ort befindet sich auf einem ca. 20 Meter hohen Kliff aus rotem, nicht identifizierbaren (Tuff)stein direkt vor der Küste. Hier ist alles auf Touristen eingestellt. Dennoch gibt es in Varkala zum glück noch keine Hotelbunker, sondern kleine gemütliche Beizen, Unterkünfte und jede Menge Souvenirläden. Wir werden hier wahrscheinlich ein- bis zwei Tage an der Küste ausruhen und uns zurücklehnen.

Foto     Foto

Wir gehen abends zu viert entlang des Cliff-walks auf Restaurantsuche. Der Cliff-walk ist buchstäblich eine Touristenmeile: Jedes Restaurant bietet von italienischer über thai oder Mexküche alle Arten von Gerichten an. Natürlich fehlt auch die German Bakery nicht. Es ist schon fast eine Selbstverständlichkeit, dass das Essen in solchen Restaurants nicht nur schlecht sondern auch besonders teür ist (das Essen kostet je nachdem zwischen dem doppelten und dem zehnfachen des üblichen). Das bedeutet, dass normale Einheimische für ein Essen in einem derartigen Restaurant leicht einen Wochenlohn lockermachen müssten.

Foto     Foto

Foto     Foto

Weil es an der Touristenmeile aber Bier gibt... und Alfi wieder mal tierisch lust nach so einem Germanengebräu hat... überwinden wir uns, in so einer Touristenfalle abzusteigen. Es gibt überall hier auch wifi... das macht die Entscheidung nochmals leichter. Der grillierte Thunfisch von Alfi und der Teller mit grillierten Shrimps von Nömi dürften als die schlechteste (und teürste) Malzeit in Kerala eingehen. Unsere Currys sind jedoch ganz geniessbar, wenn auch nicht den Preis wert.


Sonntag 22. Juli 2012: Varkala

Heute ist ein Ferientag eingelegt: Wir schlafen bis ca 11h aus... dann spazieren wir bei schwüler Hitze ein bis 2 km in die Stadt um ein anständiges Frühstück zu bekommen. Danach bringt uns ein Tuktuk für 50 Rupien wieder an den Strand, wir die Inder beim "Indisch-baden" beobachten können: "Indisch-baden" bedeutet mit den Kleidern regungslos im Sand zu stehen und den Wellen zuschaün.

Foto     Foto

Wir suchen uns eine etwas abgelegenere Bucht, um im aufgebrachten arabischen Meer baden zu gehen. Sobald wir halb im Wasser sind, werden wir von einem uniformierten Bademeister mit Trillerpfeiffe zurückgepfiffen: Es sei staatlich verboten, in den vier Sommermonaten in Kerala ins Meer zu steigen. So ziehen wir uns wieder um und machen uns auf den Weg zu einer sehr kleinen Bucht im Norden des Ortes, wo wir ungestört baden können. Das Meer ist tatsächlich sehr wild, hat leichte Strömungen, ist aber gerade dadurch besonders interessant zum Baden. Am Abend kommen Nömi und Alfi sowie Nidil, ein Einheimischer vorbei. Alle drei schaün uns die ganze Zeit beim Baden zu. Dann spielen wir mit einer Kokosnuss Wasserball und kämpfen im Sand. Nömi und Alfi getraün sich nicht ins Wasser. Nach einer Entsalzungsdusche laufen wir zusammen in die Stadt und finden dort auf Empfehlung eines Einheimischen das beste Restaurant im Ort. Wir essen tatsächlich köstliche Kerala-Currys mit Parottas und Pooris...

Foto     Foto     Foto


Montag 23. Juli 2012: Von Varkala nach Kollam

Am Morgen schlafen wir länger als Nömi und Alfi aus... und machen uns auf den Weg zur German Bakery, in welcher sie frühstücken. Wir nehmen nur einen schlechten Kaffee und Eva noch ein Mangolassi, dann machen wir uns auf den Weg zur Bucht.

Foto     Foto

Wir geniessen die Wellen.... und schon nach kurzer Zeit steht wieder ein pfeiffender, uniformierter Badmeister am Rand... ein Begleiter schlägt mit Stöcken auf den Sand um uns aus dem Wasser zu bringen. Wir ignorieren standhaft, bis endlich auch Nömi und Alfi kommen und uns die leidige Diskussion abnehmen: Schon nach kurzer Zeit macht sich der Bademeister, sein Begleiter davon. Das Problem ist gelöst... und nun kommen auch Nömi und Alfi mit uns baden.

Foto     Foto

Danach machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof, wo wir für 40 Rupies den Zug nach Kollam nehmen. Wir steigen irgendwo im sehr vollen Zug ein, bestimmt am falschen Ort. Jedenfalls ergattern wir uns ein paar Sitzplätze im dunkeln Zug mit Kajüten und schlafenden Indern, welcher 30 später in Kollam einfährt. Weil alle einsteigenden Inder panikartig zürst einsteigen wollen, können wir fast nicht aussteigen. Es ist ein Riesengedränge. Dann bringt uns ein Tuktuk zum Pier, wo wir uns auf die Organisation eines Hausbootes machen. Wir fragen verschiedene Agenturen, Nömi (unsere Chef-Verhandlerin) handelt den besten Preis und die besten Konditionen aus: Statt für 20000 Rupien für eine zweitägige Bootstour durch die Hinterwasser (Backwaters) von Kollam nach Alleppy (Alapuzha) bekommen wir eine zusätzliche Nacht mit Frühstück auf dem Boot für 19000 Rupien. Das erspart uns die Hotelsuche in Kollam und ermöglicht uns einen gemütlichen Abend auf dem Schiff, natürlich mit kaltem Bier: Nömi und Alfi waren zuvor mit einem Tuktuk zu einem der zwei Wineshops in Kollam gefahren und haben für 2000 Rupien drei Kartons Kingfisher Bier gekauft.

Foto     Foto

Nach einer Einkaufstour durch die wenig verdorbene und wenig touristische Innenstadt von Kollam besteigen wir nach einem guten Nachtessen in einem lokalen Restaurant das Boot.

Foto     Foto


Dienstag 24. Juli 2012: Von Kollam in die "Backwaters"

Um 9h30 steht für uns auf dem Boot das Frühstück bereit: Reisnudeln in Bällchenform sowie eine Currysauce mit Eiern.Sehr lecker!

Foto     Foto

Foto     Foto

Um 10h30 legen wir ab und fahren durch den See nördlich von Kollam. Wir legen dreimal an:
Das erste mal, um nach frischen Riesencrevetten (Tigerprawn) zu suchen, das zweite mal um die Wassertanks des Schiffes aufzufüllen, das dritte mal fürs Mittagessen. Auf dem Hausboot haben wir buchstäblich einen 5 Sterne Koch an Bord, welcher uns ein sehr grosszügiges und hervorragendes Mittagessen mit mindestens 6 Gängen auf nur zwei Kochstellen zubereitet. Nach dem Mittagessen fahren wir durch einen breiten Kanal bis kurz nach der Eisenbahnbrücke auf dem See. Dort werden wir ein viertes mal anlegen: Ein witziger, 24 jahre alter Guide empfängt uns auf einem kleinen Boot, mit welchem wir eine dreistündige Tour durch das Kanalsystem im bewohnten und doch ländlichen Teil dieses Sees machen. Dabei sehen wir zwei Wasserschlangen, viele Vögel... darunter drei blaü Eisvögel (Kingfisher). Wir besuchen eine Familie, welche Seile aus Kokosfasern herstellt und uns deren Herstellung erklärt.Bei jedem Haus hat es eine Gruppe von Enten. Wir sehen Teiche mit Fisch- oder Crevettenzucht, welche ausschliesslich für den Export vorgesehen sind.

Foto     Foto

Foto     Foto

Nach der Bootstour auf dem kleinen Boot fahren wir mit unserem Hausboot noch einige km zurück, bis der Kaptain Raju am Rand des Kanals anlegt um zu übernachten. Nach dem Eindunkeln gibt es überall Leuchtkäferchen, welche mit ihren biologischen Lichtern aufleuchten. Wir können sogar einen Gecko beim Fressen eines Leuchtkäferchens beobachten.
Am Abend bereitet uns der Koch ein herrliches Viergangmenu zu. Die Küche hier ist wirklich hervorragend und doch endlich etwas schärfer als in Tamil Nadu.
Dann kommt noch eine Spinne, welche an der Decke friedlich und flink nach Insekten jagt.... welche aber Eva in Panik versetzt. Auch die Ratte, welche über unserem Platfond lebt, geht an Land. Wir können beobachten, wie diese geschickt auf dem Seil laüft. Vor dem schlafen gehen, beseitigen wir in unserem Zimmer 5 Cucarachas (Küchenschaben).


Mittwoch 25. Juli 2012: Von den "Backwaters" nach Aleppey

Kapitän Raju legt um ca. 9h ab. Dann fahren wir den ganzen Tag durch mehr oder weniger enge und mehr oder weniger schmutzige Kanäle die rund 60km nach Aleppey. Fürs Mittagessen wird der Anker geworfen, weil der Kanal zu dieser Zeit sehr breit ist... fast wie ein See. Die schönsten Ausblicke ergeben sich bei der Durchfahrt durch die schmalen Kanäle: Dort sieht man für einen Augenblick direkt in den Alltag der Bewohner, welche ihr Haus direkt am Kanalufer haben. Auch die unzähligen Vögel lassen sich in den engeren Kanälen besser beobachten.

Foto     Foto

Am Abend legen wir bei einem sehr grossen Reisfeld ca. 16km vor Aleppey an. Wir gehen vom Boot und laufen an mehreren Häusern vorbei, dem Kanal entlang. Die Familien hier sind selbstversorger... sie baün Yuca, Taro, Bananen und andere Nutzpflanzen an. Eine Familie lebt von der Herstellung von Schnüren aus Kokosfasern.

Foto     Foto

Foto     Foto

Unterwegs sehen wir nebst vielen Wasservögeln auch einen Eisvogel, von denen es hier recht viele gibt. Als wir zurück auf dem Hausboot sind, trinken wir mit der scheün Besatzung ein kaltes Bier... dann taün die Männchen mit komplizierten Namen allmählich auf. Sie kochen für uns ein riesiges Nachtessen... und zeigen uns, wie man die verschiedensten Spielzeuge aus den Blättern einer Kokospalme herstellt.

Foto     Foto

Abends fragt uns Raju, ob wir lust auf eine Kokosnuss hätten. Er steigt sofort vom Boot... und nach kurzer Zeit rennt ein Junge zu einer benachbarten Familie, um Kokosnüsse zu holen. Zwei Buben bringen uns nach kurzer Zeit vier Kokosnüsse zum Boot. Als wir ihnen ein paar Stifte und zwei Radiergummis schenken, haben sie eine riesige Freude.

Foto     Foto

Foto     Foto

Anschliessend deckt unsere Mannschaft den Tisch für ein weiteres grosszügiges und herrliches Nachtessen.


Donnerstag 26. Juli 2012: Von Aleppy nach Ernakulam

Unser Kapitän Raju legt pünktlich um 7h00 ab, während wir noch schlafen. Um 8h30 gibts schon wieder Früstück, während wir durch Kanäle fahren, welche von Reisfeldern gesäumt sind.

Foto     Foto

Foto     Foto

Dann legen wir kurz vor Aleppey an und verabschieden uns mit einem Gruppenfoto von unserer Crew.

Foto     Foto

Weiter gehts mit einem Bus zum Busbahnhof von Aleppey, wo wir einen Schnellbus nach Ernakulam (Kochi) nehmen. Wir suchen nach Hotels und nachdem wir uns ein paar davon angeschaut hatten, finden wir ein schönes und günstiges Hotel.
In der Stadt Ernakulam gibt es erstaunlicherweise Einkaufszentren und moderne Hochhaüser... hier scheint es deutlich mehr Wohlstand zu geben als in anderen Regionen Indiens.
Am Nachmittag steigen wir auf eine sehr günstige Fähre (2,5 Rupien für rund 3km), welche uns nach Fort Cochin bringt. Dort besichtigen wir das Stadtviertel Mattancherry mit seinen vielen kleinen Gewürz- und Kleiderläden. An einigen Stellen herrscht Touristenmeilenstimmung, weshalb wir nicht so recht in Einkaufslaune kommen. Wir besichtigen den Dutch Palace, eine alte Königsresidenz der Rama Varma, (die Königsdynastie von Kerala).

Foto     Foto

Foto     Foto

Wieder zurück in Ernakulam, versuchen wir in einem Internetcafe ein Flugticket von Bengaluru nach Mumbai zu buchen (um Anschluss zu unseren Intercontinentalflug zu haben). Verzweifelt ärgern wir uns über die schlechte Internetseite von Air India und Jet Airways... die Buchung scheitert spätestens bei der Bezahlung mit Plastikgeld (Kreditkarte)... Ein Mann einer Reiseagentur gleich nebenan rettet uns dabei: Er organisiert uns den gewünschten Flug noch am selben Abend.
Genervt aber doch erleichtert gehen wir Abendessen.


Freitag 27. Juli 2012: Fort Cochi

Als wir um 9h Alfi und Nömi fürs gemeinsame Zmorgen treffen, beklagt sich Alfi über eine fiebrige Nacht. Er fühlt sich nicht wohl. Nachdem wir ein paar Samosas und andere fritierte und panierte Zwiebelbällchen zusammen mit einem Kaffee auf der Strasse an einem Essständchen genossen haben, gehen wir zurück zum Hotel. Alfi beschliesst einen Ruhetag einzulegen, während Eva und Adrian mit der Fähre erneut nach Fort Kochin fahren. Dort mieten wir Velos und erkunden die Halbinsel.

Foto     Foto

Foto     Foto

Mit den Velos können wir die Tuktukfahrer und Touristenfallen locker umgehen... und sehen stattdessen auch diejenigen Stadtteile, welche noch nicht vom Tourismus eingeholt wurden. Wir kaufen diverse Stoffe und Gewürze. Irgendwie ist uns unklar, weshalb Kochi so sehenswert sein soll: Höhepunkt ist der Kontakt mit den Einheimischen, sei es an den Essständen oder im kleinen Stoffladen... oder sonstwo.

Foto     Foto

Foto     Foto

Die entweder im Zerfall befindlichen oder zu bonzig renovierten Luxushotels umgebauten Kolonialvillen der Holländer oder Portugiesen mögen uns wenig begeistern, ebenfalls die in allen Reiseführern so hoch gelobten Fischernetze aus China.

Foto     Foto

Am Abend gehen wir zusammen Nachtessen... Alfi fühlt sich noch immer nicht fit und hat noch immer Fieber. So beschliessen wir schweren Herzens Nömi und Alfi in Ernakulam zu verlassen und schon morgen nach Kalpetta im Norden Keralas zu fahren.


Hier geht es im 4. Teil weiter