Indien 2012: Eva, Nömi, Alfi und Adrian

Quiz für Nina:

Hier gibt es zwei Tonaufnahmen. Rate, um was es sich dabei handeln könnte?
Aufnahme 1
Aufnahme 2
Auflösung weiter unten im Text....

Samstag 28. Juli 2012: Von Ernakulam nach Kalpetta

Heute fahren wir fast den ganzen Tag Bus: Wieder helfen uns alle Leute auf dem Busbahnhof den richtigen Bus zu finden. Schon nach wenigen Minuten wissen mindestens alle Busfahrer wo die zwei hier analphabetischen Touristen hinmöchten und helfen uns. Als wir in Trissur umsteigen und irrtümlicherweise nicht in den direkten Bus einsteigen... hilft uns ein Losverkäufer und sagt uns, dass der Bus nebenan nicht nur bis Calicut, sondern direkt weiter nach Kalpetta fährt.
Bis nach Calicut ist alles flach... dann folgt eine spektakuläre Auffahrt mit vielen Haarnadelkurven einen Pass nach Wayanad. Neben uns sitzt ein Polizist, mit dem wir uns gut unterhalten.

Foto     Foto

In Kalpetta suchen wir nach einem Homestay, was im ersten Augenblick schwierig erscheint. So zweigen wir aufs Geratewohl immer wieder von der Hauptstrasse in Nebengassen ab, um nach diesen Privatunterkünften zu suchen. Nachdem wir ein paar grosszügige Wohnungen mit mehreren Zimmern für rund 1000 bis 1500 Rupien angeschaut haben... finden wir eine bescheidenere, aber nicht weniger schöne Unterkunft, welche wir für 600 Rupien (knapp 12 Franken) pro Nacht gleich für zwei Nächte buchen.

Foto     Foto

Beim Hausbesitzer besticht seine Frau, die im söben gekauften riesen-Flachbildschirm TV einen Horrorfilm schaut, den sie aber gleich umschaltet, als wir kommen. Dann müssen wir eine ganze Reihe von Personalien (Daten in unserem Pass) im Computer des Hausbesitzers eingegeben. Die Herausforderung besonderer Art ist dabei, dass die Tastatur zum Schutz in einer Plastikfolie eingepackt ist.
Wir suchen vergiftet nach einer guten Landkarte und einem Motorrad zum mieten... doch da beides in diesem Kaff erfolglos blieb, begnügen wir uns mit Google Maps in einem Internetkaffee, wo wir unsere morgige Wanderung in die Berge planen.


Sonntag 29. Juli 2012: Kalpetta: Wanderung

Wir stehen um 7h30 auf, gehen in ein Restaurant frühstücken und machen uns dann auf den Weg per Bus zum 10 km enfernten Vythiri. Von dort aus suchen wir uns nach dem Weg, der aus dem Dorf führt. Beim dritten Versuch sind wir erfolgreich und überqüren die Brücke über den Fluss.

Foto     Foto

Die ersten kilometer führen durch eine Hügellandschaft mit Teeplantagen und Palmen. Es geht immer aufwärts, vorbei an einer Teefrabrik, etwas weiter hinten kommt ein einsamer Hof.

Foto     Foto

Foto     Foto

In grösserer Höhe wechseln sich Tee- und Kaffeeplantagen ab. Die Strasse wird immer kleiner und kleiner: Bis ans Ende der Plantagen ist die Strasse noch mit Fahrzeugen befahrbar, dann kommt der Wald und der Weg ist mehr und mehr zugewachsen und kleiner.

Foto     Foto

Foto     Foto

Im Wald sehen wir einen Wasserfall und eine grosse, schwarze sehr scheü Schlange (kein Foto, die war viel zu schnell weg!!!). Weiter oben ist der Weg so dicht zugewachsen, dass wir nicht mehr ausmachen können, wo der Weg durchführt. So kämpfen wir uns den Wald hoch. Im Wald überraschen wir ein paar Affen, die in den Baumkronen turnen. Unten gibt es wieder Blutegel, die unablässig versuchen, an uns hochzuklettern.

Foto     Foto

Foto     Foto

Foto     Foto

Aus dem Wald draussen, freün wir uns auf den weiteren Aufstieg durchs Grassland. Doch die Freude ist von kurzer Daür, denn ohne Weg kommen wir im Hüfthohen, dichten Gras kaum vorwärts. Erschwerend kommt hinzu, dass der steinige Boden sehr uneben ist, und man somit bei keinem Schritt wissen kann, auf welcher Höhe der Untergrund diesmal liegt. Immerhin sehen wir zwei Hirsche, die uns erst mit ihren seltsamen Lauten erschrecken, bevor sie in grossen Sprüngen über das widerspänstige Grasland hüpfen.

Foto     Foto

Weil wir ohne Weg nicht wirklich vorwärts kommen... und uns die Wolken einhüllen und mit Regen beglücken, beschliessen wir, denselben Weg wieder zurückzulaufen, anstatt wie vorgesehen über den Chembraberg von Vythiri ins 10 km entfernte Meppadi zu laufen.
Abends kommen Nömi und Alfi an. Alfi ist wieder gesund und so kann die Reise zu viert weitergehen. Abends gehen wir in unser Stammrestaurant essen, dann holen Nömi und Alfi im nahegelegenen Wine-shop und Bar vier Bier, mit denen wir den Abend mit müden Beinen (nicht wahr, Eva) ausklingen lassen.
Am Abend haben wir ein Zykadenkonzert: Die Auflösung von Tonaufnahme 1: Zykaden


Montag 30. Juli 2012: Kalpetta

In Kalpetta wohnen fast ausschliesslich Muslime. Das bedeutet, dass wir wieder einmal durch das endlose, monotone und aufdringliche "Gebell" eines Müzzins geweckt werden. Auch die Moslems haben unterdessen Lautsprecher auf allen Minaretten montiert.... und wahrscheinlich lassen sie das "Gebäll" des Müzzins (Auflösung der Tonaufnahme 2) auch bereits computergesteürt ab.
Wir organisieren uns nach dem Frühstück ein Taxi, mit welchem wir eine 138 km lange Rundfahrt durch den Distrikt Wayanad machen werden. Vorbei an Meppadi (wo der offizielle Eingang zum wahrscheinlich offiziell gesperrten Wanderweg auf den Berg Chembra beginnt) bringt uns der Fahrer zu den Kanthanpara-Wasserfällen, dann zu einem sehr schönen Aussichtspunkt im Sunrise-Valley.

Foto     Foto

Foto     Foto

ähnlich wie auf der Wanderung säumen hier Palmen, Tee und Kaffeefelder den Weg. Vom Aussichtspunkt aus sehen wir ein tiefes, von dichtem Wald bedecktes Tal, in welchem ein Fluss fliesst. Dahinter in von Wolken verhangenen Grautönen reihen sich weitere Bergketten an. Ein sehr schöner Ort, wenn nur das Wetter etwas besser wäre.

Foto     Foto


Auf dem Weg von Vaduvanachal nach Kolagappara sehen wir auf der Strasse einen Elefanten, der hier als Arbeitstier eingestzt wird. Zum Glück sitzen wir diesmal in einem Auto (und nicht im Bus)... und können somit anhalten um das Tier anzuschaün.

Foto     Foto

Gemächlich laüft der Elefant auf der Strasse, ein Mann sitzt auf ihm, ein anderer laüft neben ihm. Auch wenn das Tier einen sehr gemütlichen Eindruck macht.... wir können es nur rennend einholen. Im Ort Sulthan Bathery ist Zeit, ein Restaurant zu suchen. Als wir unseren Fahrer zum Mittagessen einladen wollen.... lehnt er mit der Begründung "Ramasan, ramasan..." (Ramadan) dankend ab... So wartet er beim Auto, wärhend wir vom Kellner buchstäblich gemästet werden. Nach dem Besuch eines unspektakulären Jain-Tempels aus dem 14. Jahrhundert bringt uns der Fahrer nach Muthanga, dem Eingang des Wayanad-Nationalparks. Bereits auf dem Weg sehen wir von der Strasse aus zwei wilde Elefanten. Diese werden mit lauten Knallkörpern von der Strasse und der Zivilisation ferngehalten. Beim Parkeingang ist auch die Staatengrenze zwischen Kerala und Karnataka. So gibt es mitten im Nationalpark einen Warenzoll mit langem Lastwagenstau und wohl endloser Bürokratie. Vom Parkeingang geht es nach Bezahlung der Parkkgebühr und des Jeeps rund um 16h weiter mit einem klapprigen Jeep in den Park. Wir sehen zürst einen Pfau, dann eine Echse auf einem Termitenhügel und eine ganze Gruppe von weiss gefleckten Rehen (Bambi)...

Foto     Foto

Foto     Foto

Dann folgt der erste Höhepunkt: Beim Wasser sehen wir aus einiger Entfernung eine ganze Herde wilder Elefanten.

Foto

Ein paar km weiter entpuppt sich die Tour als wahrhaftige Glückstour: Direkt neben der Strasse steht eine Elefantenkuh mit ihrem jungen. Unser fahrer sieht die Tiere und gibt unmittelbar gas, um mit vollem Tempo an den Tieren vorbeizufahren. Dann halten wir an und können die Tiere beobachten.

Foto     Foto

Foto

Die Elefantenkuh beobachtet uns streng und rennt dann plötzlich auf unser Auto zu. Jetzt wissen wir, weshalb der Fahrer so vorgegangen ist... denn er kann nur vorwärts vor der schnellen Elefantenkuh flüchten. Wenig später erscheint der männliche Elefant.

Foto

Alle drei laufen uns im Wald neben dem Weg gemütlich nach, beobachten uns genau... und wenn der Abstand zu klein wird, laufen sie angreifend auf den Jeep zu... so dass der Fahrer immer aufpassen muss, bereit zu sein. Am Schluss der Tour können wir von der Hauptstrasse aus hinter einer Barriere noch einen schlacksigen Bison sehen.
Wieder zurück bei unserem Fahrer bringt uns dieser von Sulthan Bathery auf Nebenstrassen über Panamaram nach Kalpetta zurück. Unterwegs bringt er uns vorbei an vielen wohlhabenden Hausern und Gummibaumplantagen, zu einem verlassenen Jain Tempel mitten in einer Kaffeeplantage. Der verlassene Tempel steht schief am Strassenrand und ist bereits von Pflanzen bewachsen, was ihm ein besonderes Flair verleiht.

Foto     Foto

Foto     Foto


Dienstag 31. Juli 2012: Von Kalpetta nach Mysore

Wieder werden wir vom ausdaürnden und monotonen Müzzin zu einer Unzeit geweckt. Eva döst mit Musik aus den Kopfhörern wieder ein.

Foto     Foto

Als wir um ca. 10h vom Hotel losgehen und auf der Strasse einen Kaffee trinken, beginnt es zu regnen. Wir schlürfen unter einem Dächlein den schlechten Kaffee und vertreiben einen aufsässig gewordenen Moslem...

Foto     Foto

Danach gehts mit einem Bus zur Abzweigung, welche zu den Edakkal-Caves führt. Wir können unsere Rucksäcke bei einem Möbelfabrikant an der Kreuzung deponieren. Ein Tuktuk bringt uns zum 8km entfernten Höhleneingang. Der anscheinend abgelegene Ort entpuppt sich als Ort des Massentourismus. Der Aufstieg der steilen Strasse und anschliessenden Treppen bringt viele indische Touristen ausser Atem.

Foto     Foto     Foto

Oben angelangt, sehen wir eine natürliche Höhle mit petroglyphen (im Fels eingehaüne Bilder), welche 3000 Jahre alt sein sollen. Dazu geniessen wir den tollen Ausblick, welcher sich vom Berg aus auf die Umgebung ergibt.

Foto     Foto

Danach weiterfahrt nach Sulthan Batery, wo wir in der Busfahrercantine Chickenbiryani essen, bevor die Fahrt mit einem verhältnismässig luxuriösen Expressbus (Luftgefedert!!!) nach Mysore fahren.

Foto     Foto

Foto     Foto

Die Hotelsuche in der Grosstadt mit ca. 750 000 Einwohnern gestaltet sich schwierig: Ein Hotel ist scheusslicher als das andere... und das zu Preisen, welche die eines schönen Hotels in Kerala locker übersteigen. Schliesslich entscheiden wir uns für ein 800-Rupien (ca. 15 Franken) teures Zimmer, welches wenigstens ein Fenster, ein funktionierendes Bad und sogar saubere Betten hat. Hier im Staat Karnataka ist offensichtlich wieder alles viel ärmer als in Kerala. Auch das Nachtessen ist -verglichen mit den Standards in Kerala- eher bescheiden. Aber wir werden uns bestimmt noch ein besseres Restaurant finden.

Foto     Foto

Am Abend fällt gleich nach dem Eindunkeln der Strom aus (der ganze Abend lang ist die Stadt fast im Dunkel). Glücklicherweise hat unser Hotel -wie hier oft üblich- ein Notstromaggregat, welches uns mit Licht versorgt. Dann versuchen wir das Töli telefonisch zu erreichen, aber die Leitung ist besetzt.


Mittwoch 01. August 2012: Mysore ("Mais-Ohr")

Wir machen uns auf den Weg um den Palast im Zentrum Mysores zu besichtigen. Auf dem Weg dazu, frühstücken wir an einem Strassenstand ein wunderbares Biryani (Curry-Reis mit Gemüse), Während Nömi und Alfi uns zuschaün und auf ein Restaurant warten (es gibt hier keinen Kaffeestand). Ein Rikshafahrer möchte uns die Stadt zeigen, dabei fragen wir ihn nach einer Motorradvermietung. Natürlich weiss er bescheid und bringt uns ins betreffende Stadtviertel. Nömi und Alfi machen sich währenddessen mit anderen Plänen auf den Weg zum Palast. Der Rikshafahrer bringt uns an verschiedene Orte, an denen Motorräder zumindest verkauft werden... doch wir brechen nach rund einer Stunde die übung damit ab, dass wir mit einem Typen provisorisch am Nachmittag abmachen, um ein Motorrad zu besichtigen. Dieses Treffen wird aber nie stattfinden.

Foto     Foto

Wir verabschieden den Rikshafahrer und machen uns wieder selbständig auf den Weg zum (südlichen) Palasteingang, wo wir sogleich Nömi und Alfi treffen. Nachdem beim Security scan Adrians Rucksack -trotz zuvor abgegebener Kameras- alarm schlägt... und die Security-Leute darauf bestehen, dass Adrian die Kamera abgibt, wird er ranzig: Welche Kamera sollte ich denn abgeben. Den Rucksack durchsuchen tut das Personal auch nicht. Nach ein paar unfreundlichen Worten und einem zweiten Scan können wir den Palast betreten. Der elektronische Führer erklärt uns wie feudal die mit den Engländern verbandelte Königsfamilie hier vor nur hundert Jahren bis zur indischen Unabhängigkeit (1947) hauste. Prachtvoll verzierte Säle mit geschnitzten Decken aus Mahagoniholz, Elfenbeinschnitzereien, kunstvolle Kachelböden (aus England), eine wundervoll farbige Glaskuppel mit Pfaünmotiv (extra in Glasgow hergestellt), Türen aus Silber, Säulen aus Gusseisen (in der achteckigen Hochzeitshalle)... jeder Raum übertrifft den anderen. Der Palast braucht den Vergleich mit der Alhambra in Granada nicht zu scheün. Beim Besuch des Palastes wird offensichtlich, wie sehr die Engländer zusammen mit der Königsfamilie das Fussvolk ausgebeutet haben. Wie gesagt, Fotos vom Inneren des Palastes gibt es keine.

Foto     Foto

Foto     Foto

Foto     Foto

Beim trinken einer Kokosnuss treffen wir einen sympathischen, jungen Tuktukfahrer, der uns in der Altstadt Mysores verschiedene Kunsthandwerke zeigt: Bidifabrik (Bidi = Zigarette aus Naturtabakblättern), Tisch- und Möbelfabrik: Hölzer der verblüffendsten Farben werden ohne jeden Aufwand zu scheün sorgfältig in Holzplatten eingelassen. Es entstehen wunderschöne, mit verschiedensten Motiven verzierte Tische. Als drittes führt uns der Tuktukfahrer zu einem Haus, in welchem Räucherstäbchen hergestellt werden. Angeblich rollt eine ältere Frau im Tag bis zu 7000 Räucherstabchen aus Kohlemasse und Sandelholzmehl. Der sehr geschickte Verkaüfer stellt uns verschiedenste öle vor, mit welchen sich mehr oder weniger alle erdenklichen Gebrechen in kurzer Zeit heilen sollen. Bei der Wirkung des Mückenschutzöls (Wasserlilienöl) werden wir skeptisch, als wir den chemischen Mückenvernichter in der Steckdose sehen.... erst recht erschreckt uns aber die Preisliste der öle. Das Finale bildet ein Foto unseres Rikshafahreres im Kifferräumchen hinter der ölsammlung: Offensichtlich ist der Rikshafahrer mit dem Verkaüfer verbandelt, kassiert also Komission, um uns in den Laden zu bringen. Danach setzen wir den Rikshafahrer vor einem Gemüsemarkt ab. Eva gibt ihm die abgemachten 20 Rupien (für doch eine längere Fahrt) um zu testen, wie er reagiert. Er nimmt dankend an... und sagt dann "small buisiness"... wir geben ihm nach bestandenem Test zusätzlich 20 Rupien, womit er zufrieden abzieht.

Foto     Foto     Foto

Auf dem Gemüsemarkt essen wir eine Kokosnuss... schiessen ein paar Fotos von vollverschleierten Musliminnen und machen uns auf den Weg mit einem anderen Tuktukfahrer zum Fuss des Chammundi Berges. Wir erklimmen die über 1000 treppen zum Hausberg von Mysore. Oben angelangt, besichtigen wir einen durchschnittlich schönen Hindutempel, erfreün uns über die frechen Affen und machen wir uns wieder auf den Rückweg. Anmerkung der Redaktion: Unten angekommen, hat Adrian müde Beine...

Foto     Foto     Foto

Foto     Foto

Foto     Foto

Dann ist schon fast 18h und so ist höchste Zeit für Evi (=Lakshmi), ehmmm ich meine Eva und Adrian (= Lobster, Traveller), sich auf die Suche nach einem Motorrad zu machen. Bei einem blauäugigen, streng Islamischglaübigen grossen Inder, der Motorräder verkauft, finden wir ein Angebot: Er vermietet uns für 1000 Rupien ein Honda-90-Motorrad eines seiner Kollegen für zwei Tage. Das bedeutete, dass wir heute Abend das letzte Abendmal zu viert ist. In einem Restaurant geniessen wir herrliche Curries zum Abschied. Begossen wird das ganze mit einem indischen Rhum aus dem Wineshop (aus dem Weinviertel, wo Eva von einem Betrunkenen am Fuss angefasst wurde, was einen Empörungsschrei auslöste... sofort kommt Hilfe: Alfi und der Ladenbesitzer mit einem Stock...).

Foto     Foto

Im Hotel angelangt, möchten wir am Empfang fragen, ob wir unser Gepäck für zwei Tage einstellen könnten. Die fünf zuständigen Inder verneinen: "not possible!!!". Im Zimmer stossen wir auf unsere geglückte gemeinsame Reise an... und Eva macht sich dann nochmals auf zum Empfang, um ihren Charme spielen zu lassen: Sie schafft es nach kurzer Zeit, dass wir das Gepäck doch im Hotel Mumbai Tiffany lassen können. Dann verabschieden wir uns von Nömi und Alfi.


Donnerstag 02. August 2012: Von Mysore nach Belur

Nach einem grosszügigen Frühstuck im guten Restaurant Indra vom Vorabend holen wir um 10h30 unser Motorrad ab und machen uns sogleich auf den Weg nach Belur.

Foto     Foto

Unterwegs sehen wir authentische Dörfer, das Landleben, welches hier ohne jede Maschine abläuft. Wir sind glücklich, doch noch selbständig unterwegs zu sein und für uns ist das das ideale Fortbewegungsmittel: Wir fühlen uns als richtige Traveller (im Gegensatz zu den Touristen).

Foto     Foto

Foto     Foto

In der Hoffnung, dass es über einen Fluss eine Strassenbrücke gibt.... treffen wir in einen abgelegenen Dorf bei einem Bahnübergang einen anderen Motorradfahrer, den wir fragen, ob es einen Weg über den Fluss gibt. Er führt uns zur Eisenbahnbrücke und erklärt uns, dass es zur Zeit keinen Zug auf der Linie gäbe, und dass wir die Eisenbahnbrücke mit dem Motorrad auf dem Schotter gleich neben den Gleisen zusammen mit ihm überqüren können, während Lakshmi den ganzen Weg zu Fuss laufen muss.

Foto     Foto

Foto     Foto

Nachdem überwundenen Nadelöhr, kehren wir nach längerer Fahrt kurz vor Hassan in einem kleinen Restaurant ein. Im Gegensatz zu allen zuvor besuchten Orten, können die Leute hier kein einziges Wort Neudeutsch (=Englisch). Mit Händen und Füssen bestellen wir unser Mittagessen: Lammcurry, einem braunen Klumpen (vielleicht Buchweizen) aus Getreide, Saucen und Reis.
Weiterfahrt durch das Chaos von Hassan: Da es in der 750 000 Einwohner zählenden Stadt Mysore kaum Internetkaffees gibt, und wir dringend ein Internetkaffee benötigten... fanden wir eines in Hassan. Eva wartete vor dem Motorrad auf Adrian, der die neüsten Reiseberichte auf die Internetseite lud. Währenddessen wurde Eva Opfer einer Schülerinvasion... und fühlte sich wie im Buch "Das Parfüm" wo Grenouille am Schluss gefressen wird.

Foto     Foto

Nach einiger Zeit hält es Eva im spontan entstandenen Gedränge der Schüler nicht mehr aus... und wir mussten Rollentauschen. Dann ging die Fahrt durch die schmutzige Stadt Hassan weiter nach Belur.
In Belur finden wir ein sehr schönes Hotel (Hotel Vishnu ...) für nur 500 Rupien pro Nacht. Anschliessend reicht die Zeit gerade noch für einen Besuch des wunderbaren Tempels aus Speckstein. Die Feinheit und Vielfalt der Skulpturen, welche den sternförmigen Tempel säumen ist atemberaubend.

Foto     Foto

Foto     Foto

Foto     Foto

Foto     Foto

Foto     Foto


Freitag 03. August 2012: Von Belur nach Mysore

Ohne Frühstück legen wir am Morgen die 16 km von Belur nach Halebid zurück. Auf der Landstrasse ist wenig los und so getraut sich Eva ans Steür des Motorrades. Sofort wird ihr Talent ersichtlich. Fast in Halebid angekommen, hört Eva hohe Vogelgeräusche in einem Baum. Als wir umkehren, sehen wir, wie am Baum hunderte von Flughunden hängen.

Foto     Foto

Foto     Foto

In Halebid angekommen, früstücken wir in einem winzig kleinen, etwas heruntergekommenen Lokal. Wie immer ist das Essen gut und die Bedienung freundlich. Anschliessend laufen wir durch das Dorf zum Tempel: Dieser ist vergleichbar beeindruckend wie derjenige von Belur, ist allerdings nicht mehr in Betrieb. Auch hier fehlen die versteckten Kamasutradarstellungen nicht. Unser Führer wird bei der Erklärung der Kamasutras jeweils ganz leise: Do you know "self-service?"

Foto     Foto

Foto     Foto

Ein Führer erklärt uns viele Details der unglaublichen Skulpturen aus Speckstein, welche den sternförmigen, doppelten Shivatempel säumen. Anschliessend geht die Fahrt über kleine, abgelegene Strassen zurück nach Mysore.

Foto     Foto

Nach dem Mittagessen in Krishnarajpet suchen wir die Brindavan-Gardens, die uns von Einheimischen in Mysore empfohlen wurden. Ebenfalls erscheint der Ort gross auf der Landkarte. Zunächst fahren wir irrtümlicherweise an Reis- und Zuckerrohrfeldern zu einem Dorf, in welchem wir eine Zuckermühle besichtigen. Wir können uns mit den Arbeitern der Mühle lediglich mit den Händen verständigen... Die Arbeiter zeigen uns stumm die Anlage, geben uns Zuckerrohrsaft sowie fertigen Rohrzucker.

Foto     Foto

Foto     Foto

Als wir etwas später auf den Damm und die davor liegenden Brindavan-Gärten stossen, überrascht uns der enorme touristische Auflauf: Ganze Parkfelder voller Busse und Autos, ein riesenrummel mit Einkaufsständen und allem was dazu gehört. Schilder lassen auf einen Orchideengarten schliessen, doch als wir im Garten sind, erwartet uns ein lausiges Aquarium mit kleinen Becken und lauter schlecht gemachten Plastikpflanzen. Auch Orchideen oder andere Pflanzen finden wir im Garten nicht, sondern lediglich hunderte von Einheimischen, welche sich in Gruppen zwischen den Springbrunnen fotographieren. Höhepunkt des Tiefpunktes war ein mindestens 2,1 meter grosse Inderhüne, der bei Eva ein mulmiges Gefühl hinterliess. Immerhin interessant zu sehen, auf was die Leute hier als sehenswert betrachten.
Anschliessend fahren wir bei Dunkelheit die letzten paar km nach Mysore zurück, geben das Motorrad bei Herr Zahin zurück, checken im Hotel Mumbai Tiffanys ein und gehen noch einkaufen und Nachtessen.

Foto     Foto


Samstag 04. August 2012: Heimflug zu Nina und den Daheimgebliebenen...

Bei einem Essstand, welcher Veg Biryani (eine Art Curryreis) serviert, frühstücken wir. Danach bringt uns ein Tuktuk zum Busbahnhof, von wo aus uns ein Luxusbus nach Bengaluru bringt. Für die 150 km werden vier Stunden veranschlagt.... kein Wunder, denn bei der Einfahrt in die Riesenstadt herrscht ein chaotischer Riesenstau. Auf den Hauptverkehrsachsen der Stadt werden Autobahnen gebaut... Schliesslich kommen wir doch noch im Hauptbusbahnhof (Majestic genannt) an. Dort bringt uns ein klimatisierter Flughafenbus in einer weiteren Stunde auf den modernen Flughafen. Hier kosten zwei Dosenbier mehr als manches Hotelzimmer auf unserer Reise.

Foto     Foto

Alles funktioniert super.... und das beste daran ist, dass wir überall sofort bedient werden, also nirgendwo anstehen müssen. Bei der allerletzten Kontrolle vor dem Einstieg ins Flugzeug, wird Evas Rucksack nochmals durchsucht. Sie fällt wegen eines handgedrehten Kokosseils durch. Das dürfe man nicht mitnehmen.... die Begründung, es handle sich um ein Souvenir liess ein anderer Passagier nicht gelten: "this is no souvenir!" Schliesslich durfte Eva dank ihrem Charme und dank dem Verständnis der Frau an der Kontrolle ihre Schnur doch mitnehmen.

Foto

In Mumbai angekommen, bringt uns ein Transferbus zum internationalen Flughafen. Hier kommt dann die grosse Sicherheitsfickerei, bei welcher Eva fast die Nerven verliert. Tatsächlich nehmen sie auch mich streng dran. Ich muss die ganze Tasche auspacken und die Teile nochmals einzeln Röntgen lassen. Das Beste daran: Dadurch, dass ich den Laptop über das Etui gelegt habe... wurde weder mein Schraubenzieher noch mein Nagelknipser entdeckt. Die Warterei auf dem Flughafen Mumbai zieht sich in die Länge, weil sich hier absolut nichts machen lässt, wenn man nicht auf Snob steht... ausser von Zeit zu Zeit in der völlig überfüllten Raucherkabine am elektrischen Zigarettenanzünder ein Bidi anzuwerfen. Dann können wir endlich in den um 02h50 fliegenden Jumbo nach Frankfurt einsteigen.